Der Moment des Abschieds – Warum das Greifbare uns heilt und welche Fäden den Tod überdauern

Macht es einen Unterschied, wie wir Abschied nehmen? Erfahre, warum reale Bilder der Trauer Halt geben, wie wir mit ungesagten Worten Frieden schließen und warum die feinen Lichtfäden der Liebe uns für immer verbinden. Passend zur neuen Folge des Podcasts „Ein Pod voll Gefühl“.

Mirjam Hertog

7/15/20263 min read

Liebe Leserin, lieber Leser,

am kommenden Donnerstag ist ein ganz besonderer Tag. Ich durfte zu Gast sein im wunderbaren Podcast „Ein Pod voll Gefühl“ von Gabi Frentzen. In unserer Episode haben wir über ein Thema gesprochen, das so tief berührt, so schmerzhaft und gleichzeitig so unendlich wichtig für den Heilungsweg ist: Das Abschiednehmen.

Oft fragen sich Trauernde oder auch Zugehörige im Vorfeld: Macht es überhaupt einen Unterschied, ob wir uns ganz bewusst verabschieden können? Gibt es einen „besseren“ oder „schwereren“ Weg zu trauern, je nachdem, wie die letzten Momente gestaltet waren?

Das Greifbare verstehen: Warum Gesehenes leichter zu verarbeiten ist

In meiner täglichen Arbeit im Traueratelier stelle ich immer wieder fest: Für unsere Seele ist es unendlich viel einfacher, das zu verarbeiten, was wir mit eigenen Augen gesehen und erlebt haben. Unser Verstand braucht Bilder, um zu begreifen. So schwer es auch sein mag, am Sterbebett zu sitzen, die Hand zu halten oder den leblosen Körper noch einmal zu berühren – diese realen Erfahrungen geben der Trauer ein Fundament, auf dem sie stehen kann. Es ist ein realer, wenn auch schmerzhafter Fixpunkt.

Manchmal machen uns genau diese letzten Bilder Angst. Die Sorge, dass uns die schweren, vielleicht vom Kranksein gezeichneten Eindrücke für immer im Gedächtnis bleiben und die schönen Erinnerungen verdrängen, ist groß. Oder es quält uns das Grübeln über die allerletzten Worte, die wir gesprochen – oder vielleicht auch nicht mehr rechtzeitig ausgesprochen – haben.

Das quälende „Hätte ich mal...“ – Wenn der Abschied verwehrt blieb

Doch was passiert, wenn dieser Abschied gar nicht möglich war? Sei es durch einen plötzlichen, unerwarteten Tod, durch äußere Umstände oder weil man selbst in diesem Moment nicht stark genug war – gewollt oder ungewollt.

Dann bleibt oft ein riesiger, leerer Raum, der sich mit einem quälenden Gedanken füllt: „Hätte ich mal...“

Es ist eine der größten Herausforderungen in der Trauerbegleitung, mit diesen schweren Abschiedsbildern Frieden zu schließen. Doch selbst schmerzhafte Bilder geben unserer Seele eine Realität, mit der sie arbeiten kann. Viel schwerer wiegt oft das, was im Verborgenen bleibt.

Hätte ich mich doch noch einmal umgedreht. Hätte ich doch noch angerufen. Hätte ich mich doch getraut, ins Zimmer zu gehen. Dieses Gefühl der Unvollständigkeit lässt sich nicht einfach wegdiskutieren. Denn der Tod ist in seiner Konsequenz endgültig. Wir können das Versäumte im physischen Leben nicht mehr rückgängig machen oder nachholen. Diese Endgültigkeit anzuerkennen, ist oft der schmerzhafteste Schritt im gesamten Trauerprozess.

Warum jede Trauerbegleitung so einzigartig ist

Genau aus diesem Grund gibt es kein Schema F für die Trauer. Jede Trauerbegleitung muss so individuell sein wie der Abschied selbst. Wer die Chance hatte, bewusst Lebewohl zu sagen, ringt vielleicht mit den Bildern des Verfalls oder den letzten Worten. Wer diese Chance nicht hatte, kämpft oft mit Schuldgefühlen und dem Gefühl der Unvollständigkeit.

Als Trauerbegleiterin hole ich dich genau an diesem Punkt ab. Wir schauen uns die Bilder an, die da sind – oder wir bauen Brücken für die Worte, die ungesagt geblieben sind. Denn auch wenn der physische Abschied ausblieb, können wir im Herzen nachträglich Räume für Versöhnung schaffen.

Eins kann uns jedoch keiner nehmen: Die Lichtfäden, die uns miteinander verbinden. Und diese halten über den Tod hinaus.

Die Lichtfäden halten stand

Egal, wie dein Abschied aussah – ob er sanft und vorbereitet war, ob er von schweren Bildern begleitet wurde oder ob er dir gänzlich verwehrt blieb: Es gibt ein Band, das stärker ist als die Endgültigkeit des Todes. Es sind die feinen, unsichtbaren Lichtfäden der Liebe, der gemeinsamen Erinnerungen und der Seelenverbindung.

Kein verpasster Moment, kein schweres letztes Wort und kein plötzlicher Abschied kann diese Fäden trennen. Sie leuchten im Dunkeln weiter. Sie halten uns im Herzen verbunden – über die Grenze von Leben und Tod hinaus.

Euer Traueratelier Lichtfäden

🎧 Jetzt reinhören!

Möchtest du tiefer in dieses Thema eintauchen? Am kommenden Donnerstag erscheint die neue Folge von „Ein Pod voll Gefühl“ mit Gabi Frentzen, in der ich genau über diese Fragen spreche. Ich lade dich herzlich ein zuzuhören.

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